Die richtige Narbenpflege nach Operationen

Die richtige Narbenpflege nach Operationen

Narbenbildung ist eine natürliche Reaktion des Körpers, die der Abwehr von Krankheitserregern dient. So zweckmäßig und schnell dieser Prozess auch ist, so belastend kann er doch für Betroffene sein. Da Narben heller sind als die umliegende Haut, können sie auffallen und den Träger emotional belasten. Deshalb ist es wichtig, nach Operationen auf eine gewissenhafte Pflege Wert zu legen. So lässt sich die Narbenbildung positiv beeinflussen und die Narben sind später kaum noch sichtbar. Wir haben Ihnen die wichtigsten Tipps zusammengefasst.

Der Ablauf der Narbenbildung

Narben entstehen bei Verletzungen der Haut, bei denen nicht nur die oberste Hautschicht (Epidermis), sondern auch tiefere Schichten bis zur Lederhaut betroffen sind. Die Narbenbildung ist ein Teilprozess der Wundheilung, der sich an die Entzündungs- und die Reparaturphase anschließt.

Während der Entzündungsphase bekämpft das Immunsystem eindringende Krankheitserreger und spült Fremdkörper mithilfe der Blutung aus der Wunde. Danach lassen Blutplättchen und Fibrin das Blut gerinnen. Abschließend verschließt Schorf die Wunde. Daran anschließend beginnt die Reparaturphase, während der neue Hautzellen gebildet werden und die Wunde verschlossen wird. Während der Wiederaufbauphase schließlich wird die neu entstandene Haut umgebaut und es entsteht eine Narbe.

Der Prozess der Narbenbildung kann einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren umfassen. Mediziner sprechen hierbei auch von Narbenreifung. Während dieser Zeit besteht die Möglichkeit, das Erscheinungsbild der Narbe positiv zu beeinflussen. Dabei gilt, dass die Ergebnisse umso besser sind, je früher man mit der Pflege beginnt.

Die Besonderheiten des Narbengewebes

Narbengewebe besteht aus Kollagenfasern, die weniger flexibel sind als die umgebende Haut. Das liegt daran, dass sie anders als die Fasern der normalen Haut nicht elastisch verkreuzt, sondern parallel angeordnet sind. Weiterhin enthält das Narbengewebe keine Schweiß- und Talgdrüsen, Haarfollikel und die für die Bildung von Pigmenten erforderlichen Melanozyten. Dadurch wirken Narben heller als die umgebende Haut. Zu guter Letzt kann sich Narbengewebe selbst nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgen, weshalb eine zusätzliche Pflege erforderlich ist.

Hintergrund ist, dass der Körper den Organismus im Notfall schnellstmöglich wiederherstellen und gegen Gefahren schützen will. Deshalb nutzt er eine vergleichsweise einfache Kollagenstruktur, um Wunden so schnell wie möglich zu verschließen und Krankheitserregern das Eindringen zu erschweren. Aus diesem Grund sehen Narben auch oft unregelmäßig aus und stellen für viele Betroffene einen ästhetischen Makel dar.

Den Heilprozess frischer Narben effektiv unterstützen

Wenn eine Wunde vollständig geschlossen bzw. wenn nach einer OP die Fäden gezogen sind, kann die Narbenbildung mit verschiedenen Mitteln positiv beeinflusst werden.

  1. 1. Silikonhaltige Gele

Gele mit Silikonanteil verhindern Austrocknungen der Narbe, die unbehandelt mit Wucherungen, Rötungen und unangenehmen Spannungsgefühlen einhergehen können. Die feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffe sind deshalb so wichtig, weil das Narbengewebe sich nicht selbst mit Feuchtigkeit versorgen kann. Durch den Auftrag der Salbe entsteht ein Schutzfilm, der die neu entstandene Haut schützt und eine optimale Versorgung sicherstellt. Dies ermöglicht unter anderem das in vielen Salben enthaltene Dexpanthenol. Darüber hinaus hemmen Narbengele Entzündungen und die Neubildung von Gewebe. Um ihre Wirkung voll zu entfalten, sollte die Salbe mehrmals täglich aufgetragen werden.

Silikongele sind auch in Pflasterform erhältlich. Man klebt sie auf die betroffenen Stellen, wo sie ihren Wirkstoff gleichmäßig abgeben. Da Pflaster allerdings nicht so flexibel sind wie Gel, sollten sie nur auf flächigen Körperregionen und nicht in der Nähe von Gelenken aufgebracht werden.

  1. 2. Massagen

Sobald die Wunde fest verschlossen ist, empfiehlt es sich, sie regelmäßig sanft zu massieren, z. B. mit einem Massageroller. Die behutsame Stimulation sorgt dafür, dass der Bereich besser durchblutet, überschüssiges Kollagen abgebaut und das Gewebe aufgelockert wird. Dies beugt unter anderem der Bildung von Wülsten vor.

  1. 3. Kompressionsverbände

Vor allem in der ersten Zeit nach der Operation kann es sich empfehlen, Kompressionsverbände anzulegen. Sie verhindern eine Überdehnung der Wundräder und stellen sicher, dass das neu gebildete Gewebe nicht zu stark belastet wird. Darüber hinaus hemmt der Druck die Entstehung von Wucherungen.

  1. 4. Richtiges Verhalten in der Zeit nach der Operation

Weiterhin kann man die Narbenbildung durch einige Verhaltensregeln günstig beeinflussen. Hier ein Überblick über die wichtigsten davon:

  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit ruckartige Bewegungen. Sie können zum Aufreißen und zum suboptimalen Abheilen führen. Vor allem Zug- und Dehnbelastungen der Wunde sollten vermieden werden. Das gilt besonders dann, wenn sich die Wunde direkt über einem Gelenk befindet. Verzichten Sie also nach der Operation nach Möglichkeit auf Sport und schweres Heben.
  • Tragen Sie keine scheuernde oder anliegende Kleidung.
  • Vermeiden sie es, juckende Narben zu kratzen.
  • Setzen Sie die Narbe nach Möglichkeit keiner direkten Sonneneinstrahlung aus. Decken Sie sie zum Beispiel ab. Alternativ ist ein ausreichend starkes Sonnenschutzmittel zu empfehlen. Da das Narbengewebe kein schützendes Melanin bilden kann, ist dies besonders wichtig.

Klinik am Opernplatz
Dr. Stephan Vogt

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